Surfen und Yoga in Marokko
Die Wüste und das Meer
Bergige Wüste, schäumende Buchten und strahlender Sonnenschein – Wir haben dem Winter Ade gesagt und uns statt dessen auf die Suche nach unserer inneren Mitte begeben. An Marokkos Atlantikküste haben wir sie gefunden. Hier überzeugen nicht nur die atemberaubenden Landschaften und angenehmen Temperaturen, sondern seit kurzem auch ein neues Domizil für Surfer und Yogis: Aloha Namasté!
Um das Surf & Yoga Resort an der marokkanischen Atlantikküste liesse sich wunderbar ein Märchen spinnen. Vielleicht ist es das sagenhafte Klima, vielleicht auch der orientalische Charme, der den Besucher in flirrende Irrealität entführt. Vermutlich ein bisschen von beidem. Doch was hier unweit des marokkanischen Surf-Mekkas Tagazhout entstanden ist, lässt zwar 1001-Nacht-Phantasien aufleben, ist aber bei weitem kein spröder Traum.
Spätestens beim dritten Schlag in Shantis Klangschale ist es ganz sicher: Man schläft nicht. Nicholas Shanti trägt Dreadlocks und selbstverständlich keine Schuhe. Er ist der Yoga-Lehrer im „Paradis Plage“ und Experte auf dem Gebiet der Entspannung. In einem Glaskubus direkt am Strand gibt er seine Stunden und singsangt seine Besucher zuweilen in die Trance der Meditation. „Relax“, sagt er dabei immer wieder, „just relaaaaaaaaax!“ Doch die Klangschale ist der erste Meilenstein in Richtung Realität, der ungläubige Blick auf den sanft tosenden Atlantik ein weiterer. Wenn dann ein Stand-up Paddler die Aussicht durchkreuzt, strauchelt und der nächsten Woge zum Opfer fällt, ist man zurück im Hier und Jetzt. Die Wellen sind heute nicht sehr hoch, es ist ein guter Tag für Anfänger.
Im Kampf gegen das Meer bleibt man nur selten unbeobachtet. Die kleinen blauen Boote gehören zum Fischerdorf nebenan und bringen in den ersten Stunden des Tages frischen Fisch, der später müde Wellenreiter stärken wird. Nun sitzen ein paar Einheimische auf den farbigen Kähnen. Sie schauen zu, wie weniger erfahrene Wassersportler mit grossen Brettern gegen kleine Wellen kämpfen. Aller Anfang ist schwer. Doch hier werden noch keine Haltungsnoten vergeben. Hier geht es um kleine Erfolge, die grosse Gefühle auslösen. Um den Ritt der ersten Welle. Um Sekunden, die glücklich machen.
Ein paar Kilometer südlich hingegen kommen Zuschauer wahrlich auf ihre Kosten: Anchor Point heisst die bekannteste Welle Marokkos. Die wird auch gerne von Profis aus aller Welt bezwungen. Vorzugsweise im Winter kann man hier die Athleten des Meeres beim Training beobachten.
Khalid Kabbage kann dem Meer noch immer getrost und stolz gegenübertreten. Beim Bau von „Paradis Plage“ und im laufenden Betrieb werden hohe Sozial- und Umweltansprüche gestellt. Alle Materialien stammen aus dem eigenen Land, die Einrichtung wurde in Marrakesch und Agadir gefertigt, viele Elemente der marokkanischen Traditionsarbeit wurden in den Prozess aufgenommen. Im Eingangsbereich des Hotels findet sich eine Wand mit grossen Schwarz-Weiss-Bildern, die alle Arbeiter und Mitwirkenden des Projekts bei ihrem Handwerk zeigen.
Und auch am Strand wurden Zeichen gesetzt: Hier wird Umweltschutz gross geschrieben, die Umgebung von Müll gesäubert und Recyclinginitiativen ins Leben gerufen. Das Meer und die Küste sollen nicht verschmutzt werden. Die eigens gegründete Paradis Plage Foundation setzt sich für verantwortungsvolles Handeln und Nachhaltigkeit in Sachen Naturschutz und sozialer Entwicklung ein.
Auf dem über drei Hektar grossen Anwesen wurden grossflächig regionale Pflanzen und Bäume eingesetzt, die Anlage ist jetzt sehr grün. Kabbage zeigt auf eine Palme: „Seht diesen Baum an! Wir haben ihn vor über 50 Jahren gepflanzt, als unsere Familie dieses Grundstück gekauft hat. Während der gesamten Bauarbeiten habe ich auf ihn aufgepasst wie auf meinen Augapfel. Oft habe ich geschrien, dass ihm ja nichts zu- stossen dürfe. Und nun seht ihn euch an, wie prächtig er hier steht! Es ist der schönste Baum von ,Paradis Plage‘.“
Das Licht ist dämmrig, es riecht nach Arganöl. Zwischen Meeresrauschen und Vogelgesängen wird im Spa-Bereich zusammengeführt, was die Stationen des Tages vorbereitet haben: Wenn der Geist entspannt, der Kopf frei ist und die Muskeln am Ende ihrer Kräfte sind, dann ist es Zeit für eine 50-minütige Relaxing-Massage. Gerade ist draussen die Sonne untergegangen, um diese Jahreszeit wird es jetzt kühl. Im warmen Dampfbad kann noch der letzte Ballast ausgeschwitzt werden und anschliessend werden sämtliche Verspannungen gelöst. Jetzt macht sich Erschöpfung breit. Und Zufriedenheit. Am Ende des Tages findet hier jeder sein Gleichgewicht. Oder wie Yogi Shanti sagen würde: „Es ist okay, wenn ihr jetzt wegdöst. Just relaaaaaaaaaaaaax!“
Km 26, Route d’Essaouira
Imi Quaddar
Marokko
Tel. +212 (0)528-200382
paradisplage.com
DZ mit Frühstück ab 165 Euro
von Turid Reinicke



